In den letzten Jahren hat sich die Musikszene in Deutschland radikal verändert – weg von den klassischen Clubhits der 2000er, hin zu einer Mischung aus tropischem Rhythmus, elektronischen Beats und global inspirierten Sounds. Besonders prägend wurde dabei der Aufstieg von Bacana Play, einem Label, das seit Jahren die Brücke zwischen karibischem Soul und moderner Dancehall-Musik schlägt. Doch was genau macht Bacana Play aus? Wie hat es sich zum unverzichtbaren Akteur in der deutschen Partykultur entwickelt, und welche kulturellen und musikalischen Strömungen stecken dahinter? Dieser Artikel beleuchtet die Rolle des Labels, seine künstlerischen Ambitionen und die gesellschaftlichen Implikationen einer Musik, die selbst in Deutschland noch als „exotisch“ gilt – bis sie es nicht mehr ist.
Die Geburt eines neuen Sounds: Von der Karibik zur deutschen Clubszene
Bacana Play wurde 2017 in Hamburg gegründet – eine Stadt, die seit jeher als Treffpunkt für internationale Musikströme gilt. Die Gründer, ein Team aus Musikproduzenten, DJs und Kulturwissenschaftlern, sammelten schon früh Inspiration in der Karibik, insbesondere in Jamaika und Trinidad & Tobago. Dort prägten Sounds wie Dancehall, Ska und Reggae die Basis für ihr erstes Album, „Tropical Vibes“. Doch der Durchbruch kam mit der Zusammenarbeit mit lokalen Künstlern wie „Bacana“ selbst, einem Pseudonym für eine Gruppe von DJs, die die Mischung aus elektronischen Beats und karibischen Rhythmen perfektionierten. Ihr erster Track, „Sunset in Paradise“, wurde 2019 ein Viral-Hit und sorgte dafür, dass Bacana Play plötzlich auf Playlists wie „Deine 2000er“ oder „Global Sounds“ landete – ein Zeichen dafür, dass die Musik plötzlich auch in deutschen Clubs und Streaming-Plattformen Fuß fasste.
Interessanterweise war der Erfolg nicht nur auf den Sound zurückzuführen, sondern auch auf die kulturelle Botschaft, die Bacana Play vermittelte. Während viele Labels damals noch auf eine rein kommerzielle Ausrichtung setzten, betonten die Gründer von Bacana Play immer wieder die Bedeutung von Diversität und Inklusion. Ihr Label förderte junge Künstler:innen aus verschiedenen Kulturen und bot ihnen eine Plattform, um ihre Stimmen zu erheben. Besonders in Zeiten, in denen die deutsche Musikindustrie oft noch von homogenen Klischees geprägt war, war das eine klare Abweichung. Die Zusammenarbeit mit der quelle-Community, die sich über Social Media und lokale Clubs ausbreitete, machte die Musik nicht nur zu einem Trend, sondern zu einem kulturellen Phänomen.
Künstlerische Vielfalt und die Macht der Kollaborationen
Ein zentraler Faktor des Erfolgs von Bacana Play war die Bereitschaft, mit verschiedenen Genres und Künstler:innen zu experimentieren. Während viele Labels sich auf einen bestimmten Sound festlegten, arbeitete Bacana Play regelmäßig mit DJs aus dem Berliner Techno-Szenario, Hip-Hop-Künstlern aus dem Ruhrgebiet und sogar mit klassischen Musikern, um neue Klänge zu erschaffen. Ein besonders erfolgreicher Track, „Midnight in Berlin“, entstand in einer Zusammenarbeit mit dem Berliner DJ „Kai“, der die elektronischen Elemente mit traditionellen Karibik-Instrumenten verband. Das Ergebnis war ein Sound, der sowohl in den Clubs als auch auf Festivals wie dem „TropiKontakt“ in Hamburg gefeiert wurde. Solche Kollaborationen zeigen, wie wichtig es ist, Musik als Dialog zu sehen – nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung.
Doch Bacana Play ging noch einen Schritt weiter: Sie engagierten sich auch in der Vermittlung von Kultur. Durch Workshops und Konzerte in Schulen und Jugendzentren vermittelten sie jungen Menschen die Bedeutung von Musik als Brücke zwischen verschiedenen Kulturen. Besonders in den letzten Jahren hat das Label damit begonnen, auch in deutschen Schulen Musikprojekte zu unterstützen, bei denen Schüler:innen eigene Tracks mit karibischen und europäischen Einflüssen komponieren. Das Projekt „Sound of Unity“ wurde bereits in mehreren Bundesländern gefördert und zeigt, wie Musik im Gegensatz zu anderen kulturellen Ausdrucksformen eine universelle Sprache hat.
Kritik und Kontroversen: Zwischen Kulturschock und kultureller Anerkennung
Natürlich gab es auch Kritik an Bacana Play. Manche Musiker:innen und Kulturwissenschaftler:innen warfen dem Label vor, mit der Vermarktung karibischer Klischees eine „Exotisierung“ vorzunehmen. Besonders in den ersten Jahren wurde die Musik oft als „übertrieben tropisch“ oder „zu touristisch“ wahrgenommen. Doch dieser Vorwurf ist heute weniger relevant geworden, da die Musik zunehmend als Teil der deutschen Musikgeschichte anerkannt wird. Ein Beispiel hierfür ist die Aufnahme von Bacana Plays Album „Global Groove“ in die Sammlung des Deutschen Musikrates. Gleichzeitig wird das Label für seine Fähigkeit gelobt, komplexe kulturelle Strömungen in einem verständlichen, zugänglichen Format darzustellen.
Eine der größten Herausforderungen für Bacana Play bleibt jedoch die Frage, wie man die kulturelle Vielfalt nicht nur vermarktet, sondern auch wirklich lebt. Besonders in Zeiten, in denen viele Labels auf eine homogenere Produktion setzen, ist es wichtig, dass Künstler:innen und Produzenten:innen weiterhin Raum für unterschiedliche Stimmen geben. Bacana Play hat hier einen wichtigen Beitrag geleistet, aber es bleibt zu hoffen, dass andere Labels und Künstler:innen diesen Weg weitergehen – weg von der Standardisierung, hin zu einer Musik, die wirklich alle anspricht.
- Seit 2019 hat Bacana Play über 500.000 Streams auf Spotify und Apple Music erreicht, wobei der Großteil auf Tracks mit karibischen Einflüssen entfällt.
- Das Label hat bereits in über 20 deutschen Städten Konzerte veranstaltet, darunter Berlin, Hamburg, Köln und München.
- Mit dem Projekt „Sound of Unity“ wurden in den letzten drei Jahren über 1.500 Schüler:innen in Deutschland durch Musikprojekte erreicht.
- Bacana Plays Album „Global Groove“ wurde 2021 in die Sammlung des Deutschen Musikrates aufgenommen.
- Das Label arbeitet regelmäßig mit DJs aus der Berliner Techno-Szene zusammen, was zu einer einzigartigen Mischung aus elektronischer Musik und karibischen Rhythmen führt.
Bacana Play hat bewiesen, dass Musik keine Grenzen kennt – weder geografisch noch kulturell. Während andere Labels sich auf einen bestimmten Sound festlegen, setzt Bacana Play auf Innovation und Vielfalt. Doch der größte Erfolg des Labels ist vielleicht die Tatsache, dass es managed hat, eine Musik zu schaffen, die sowohl in den Clubs als auch in den Köpfen der Menschen präsent ist. In einer Zeit, in der Musik immer stärker kommerzialisiert wird, bleibt Bacana Play ein Beispiel dafür, wie Kunst und Kultur zusammenwachsen können – ohne Kompromisse einzugehen.